Nadine im Interview

Foto: Peter Backhaus
Foto: Peter Backhaus

 

Wie schreibst du deine Songs? Schreibst du Texte, die du dann vertonst, oder entstehen zuerst die Melodien? Erzähl mal!

In den allermeisten Fällen nehme ich meine Gitarre in die  Hand und spiele einfach was mir einfällt. Ich versuche mich in den Groove fallen zu lassen und fange irgendwann ganz automatisch an eine Melodie zu summen und erstmal irgendwelche sinnlosen Textphrasen vor mich hin zu singen. Wenn´s gut läuft, dann hab ich nen guten ersten Satz, der eine Art Leitfaden ist und auf den sich dann wie durch Zauberei alles aufbaut. Die Grundgerüste der meisten meiner Songs entstehen innerhalb von 30-60 min. Aber oft genug kommt es vor, dass mir rein garnix einfällt, oder nur banales Zeug, das dann sofort wieder im Müll landet oder manchmal auch irgendwo in meinem Zettelchaos verschwindet. Momentan ist es aber immer öfter so, dass mir einzelne Textzeilen einfallen und erst Tage oder Wochen später aus diesen Schnipseln ein Song entsteht. Es gibt diese Phasen in denen ich sammele. Ich sammele Eindrücke und Gefühle. Lasse mich unbewusst inspirieren. Durch Gespräche, Bücher, Songs, Gedanken und alles was so um mich herum passiert. Und irgendwann öffnet sich ein Ventil und die Worte und Melodien fliessen, meist völlig ungefragt, einfach so heraus und aus vielen kleinen Puzzleteilen wird ein großes Ganzes. Und wenn das passiert, dann bin ich glücklich. Das ist großartig!


Du hast mittlerweile so einige Songs geschrieben, die auch als Protestsongs durchgehen und spielst oft auf Demos (z.B. gegen Massentierhaltung, gegen das Freihandelsabkommen, gegen Fracking etc.). Warum machst du das?

Weil mich diese Themen beschäftigen. Und weil es unglaublich wichtig ist auf die Straße zu gehen und gemeinsam ein Zeichen gegen diesen Wahnsinn zu setzen. Jeder weiß doch mittlerweile, dass in dieser Welt so einiges völlig aus dem Ruder geraten ist und dass wir JETZT etwas tun müssen, um den Karren wenigstens ein Stück weit wieder aus dem Dreck zu ziehen. Wir müssen weg vom puren Wachstumsdenken, hin zu einem echtenGemeinschaftsgefühl. Man stelle sich einfach vor, dass die Erde eine große WG ist und alle satt werden wollen. Wenn alle etwas in den Kühlschrank legen, aber nur ein paar Bewohner alles aufessen und der Rest hungern muss, dann ist etwas nicht ok. Dann läuft alles völlig falsch! Wenn viele Menschen immer reicher werden, dann bedeutet das im Umkehrschluss, dass viele Menschen immer ärmer werden. In einer guten Wohngemeinschaft beutet man sich aber nicht gegenseitig aus, sondern man versucht die Vorteile zu nutzen. Viele verschiedene Menschen können viele unterschiedliche Dinge, haben unterschiedliche Talente. Anstatt aufeinander loszugehen und sich gegenseitig zu beklauen, sollte man mal sehen was man füreinander tun kann. So, dass jeder etwas davon hat. Der eine repariert den Küchenschrank , der eine näht Löcher zu, strickt Socken für den Winter und der nächste kümmert sich um den Garten.  Ok, das klingt jetzt wieder völlig naiv, aber im Prinzip ist es genau das was diese Welt um einiges besser machen würde.  Wir müssen uns darüber klar werden, dass wir alle satt werden müssen und dass wir uns gefälligst um unsere Mitbewohner zu kümmern haben und auch um unsere Umwelt. Ich habe zum Beispiel einen Sohn, der jetzt 7 Jahre alt ist und ich will, dass auch er noch was von der Schönheit der Natur hat und, dass er nicht irgendwann mit einer Atemmaske durch die Gegend laufen muss, nur weil die Deppen aus den vorherigen Generationen nach diesem „Nach uns die Sintflut-Prinzip“ gewirtschaftet haben.  Das Thema könnte man noch unendlich weiterführen…


Welche Bands und Künstler haben dich beeinflusst? Und was hörst du zu Hause für Musik?

Ich würde sagen mein Musikgeschmack ist wahnsinnig vielfältig! Ein guter Song ist ein guter Song. Rock, Hip Hop, Folk, Soul, Funk, Jazz, House, Alternative, Metal, Singer/Songwriter, Liedermacher … es gibt sicher aus jedem Genre einen Song, den ich richtig gern mag! Zu meinen absoluten Favoriten gehören aber definitiv Rio Reiser und Ton Steine Scherben, Wizo, Die Beatles, Bob Dylan, Neil Young, Wolf Maahn, Konstantin Wecker, Reinhard Mey, Van Morisson, Queen, generell ganz viel aus den 60ern und 70ern….und noch sooo viel mehr! Es gibt auch viele neuere Bands und Musiker, die absolut großartig sind!


 

 

 

 

 

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